Die Legende besagt, es war ein Lehrling. Er betrachtete gerade das erste Stück des neuen Gebäcks von Patron Domenico Melegatti, als ein Sonnenstrahl es von oben beleuchtete, und er rief auf Veronese Dialekt: "l'è proprio un pan de oro!". Ob wahr oder nicht, jene Szene sagt alles: Der Pandoro ist eine Sache des Lichts, der Wärme, von etwas, das die Veronesen tief als ihr Eigenes empfinden. Und die Schlange vor dem Werksverkauf beweist das noch heute.
Corso Porta Borsari 21: wo alles begann
Wer durch die Altstadt von Verona schlendert und die Hausnummer 21 am Corso Porta Borsari erreicht, sollte den Blick heben. Am Gesims des Gebäudes aus dem späten 19. Jahrhundert sind noch immer steinerne Nachbildungen der Pandori zu sehen — und das alte, verblichene, aber noch vorhandene Schild von Melegatti. Dort, in jener Konditorei, erhielt Domenico Melegatti am 14. Oktober 1894 das Certificato di Privativa Industriale für die Erfindung von Name, Form und Rezept des Pandoro. Keine Weiterentwicklung: eine echte Erfindung, patentiert, mit einer Form, die der Veronese Künstler Angelo Dall'Oca Bianca entworfen hatte.
Der Ursprung des Gebäcks lag in einer alten Tradition: In der Nacht der Heiligen Vigil versammelten sich die Veronese Frauen in den Küchen der Höfe, um den levà zuzubereiten, einen Teig aus Mehl, Milch und Hefe, der bis zum Morgengrauen wartete. Melegatti griff diese Tradition auf, ließ die Mandeln und Zuckerkörner weg, die er für den Gärprozess als hinderlich betrachtete, und gab stattdessen viel Butter und viele Eier hinzu. Das Ergebnis war ein achteckiger Stern, weich und goldgelb, wie man ihn bis dahin noch nie gesehen hatte.
Die Konditorei am Corso Porta Borsari gibt es als Geschäft nicht mehr. Doch das Gebäude steht noch immer, einen Steinwurf von Piazza Erbe entfernt — einer der Orte, den Touristen am häufigsten übersehen und Veronesen, die die Geschichte kennen, am meisten lieben. Ein Halt von fünf Minuten lohnt sich, besonders abends, wenn das Licht der Straßenlaternen jenen Steinformen genau die richtige Farbe verleiht.
Die Mutterhefe und die nie endende Schlange
Als Melegatti 2018 Insolvenz anmeldete — mit Schulden, die ein über hundert Jahre altes Unternehmen erwürgt hatten — gingen zwei Mitarbeiter weiterhin jeden Tag in die Fabrik, ohne Gehalt, um die Mutterhefe zu pflegen. Jeden Tag, denn eine Mutterhefe kann man nicht sich selbst überlassen. Stirbt sie, stirbt etwas Unwiederbringliches: Die Mutterhefe von Melegatti existiert aller Wahrscheinlichkeit nach seit dem Gründungsjahr 1894, vielleicht sogar länger. Sie retteten sie. Und als die Öfen wenige Monate später wieder anliefen, bildete sich vor dem Werksverkauf spontan eine Schlange — noch bevor die Rollläden hochgezogen wurden.
Diese Schlange hat sich nie wirklich aufgelöst. Die Veronesen kennen den Werksverkauf gut: Via Monte Carega 23, San Giovanni Lupatoto, etwa zehn Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Hier kauft man frisch produzierte Pandori und Panettoni, darunter auch Stücke zweiter Wahl — vielleicht leicht unregelmäßig in der Form, aber im Geschmack identisch. Gegenüber dem Einzelhandel ist die Ersparnis spürbar, besonders in der Weihnachtszeit. Wer hingeht, weiß: Es ist besser, früh zu kommen.
2025 ist Melegatti in den Einflussbereich des irischen Konzerns Valeo Foods übergegangen — ein Schritt, der wie immer für Diskussionen sorgte, wenn eine Traditionsmarke die Flagge wechselt. Doch die Produktion verbleibt in den beiden Veronese Werken, in San Giovanni Lupatoto und San Martino Buon Albergo. Die Mutterhefe ist noch immer dort. Und die Schlange bildet sich jeden Dezember aufs Neue.
Werksverkauf Melegatti — praktische Informationen
- Adresse: Via Monte Carega 23, San Giovanni Lupatoto (VR) — ca. 10 Autominuten vom Zentrum Veronas
- Ungefähre Öffnungszeiten: Montag–Freitag 10:00–18:00 Uhr, Samstag 9:00–13:00 Uhr [⚠ VOR DEM BESUCH ÜBERPRÜFEN: die Zeiten variieren saisonal, insbesondere in der Weihnachtszeit]
- Tipp: Im Dezember empfiehlt es sich, gleich bei der Öffnung zu erscheinen — das Angebot an Zweite-Wahl-Produkten ist innerhalb weniger Stunden vergriffen
- Was es gibt: Pandori, Panettoni, Colombe, unverpackte Produkte zum reduzierten Preis
Wer in Verona ist und kein Auto hat, findet den Berührungspunkt mit der Geschichte am Corso Porta Borsari 21: fünf Sekunden Halt, ein Blick nach oben — und man versteht, woher das alles kommt.
Wer in unmittelbarer Nähe der wichtigsten Orte übernachten möchte — Arena, Piazza Erbe, Corso Porta Borsari — findet in den Apartments von The Verona Stay in der Via Roma 21 und in der Nähe des Teatro Ristori die ideale Unterkunft: die Altstadt zu Fuß erreichbar, der Pandoro ein Stück Geschichte entfernt.